Prinzip #10: Handy runter, Kopf hoch
Fünf Sekunden auf dem Display, und in dieser Zeit hast du deine Umgebung komplett ausgeblendet.
Das klingt nach Übertreibung, ist aber gut untersucht. Und es ist der Punkt, an dem alles, was wir in den letzten Folgen besprochen haben, schnell wirkungslos wird: Wer nicht hinschaut, kann weder die Baseline lesen noch Stimmungen erkennen.
Was die Forschung zeigt
Ein bekanntes Experiment stammt von Forschern der Western Washington University. Sie beobachteten Fußgänger, die einen Campus-Platz überquerten. Währenddessen fuhr ein Clown auf einem Einrad quer durch ihren Weg.
Von den Menschen, die beim Gehen telefonierten, bemerkten nur etwa 25 Prozent den Clown. Wer ohne Handy unterwegs war, sah ihn in mehr als der Hälfte der Fälle. Die Telefonierenden gingen außerdem langsamer und wechselten häufiger die Richtung.
Zur Einordnung: Untersucht wurde Telefonieren, nicht Tippen. Die Grundaussage ist trotzdem eindeutig: Ablenkung durch ein Gerät kann dazu führen, dass wir sogar sehr Auffälliges übersehen. Fachleute nennen das Unaufmerksamkeitsblindheit.
Vier Gewohnheiten für unterwegs

1. Kritische Stellen mit Kopf hoch
Eingänge, Kreuzungen, Haltestellen, Tiefgaragen und dunkle Wege sind Stellen, an denen es zählt, was du siehst. Gib dir eine einfache Regel: Hier ist das Handy in der Tasche und der Kopf oben.
2. Kopfhörer: einer raus
Wer nichts hört, bemerkt Schritte, Stimmen, Fahrräder und Autos zu spät. Du musst nicht auf Musik verzichten. Ein Kopfhörer draußen, besonders an den kritischen Stellen, reicht, um wieder mitzubekommen, was um dich herum passiert.
3. Im Stehen schreiben
Wenn eine Nachricht nicht warten kann, bleib kurz stehen. Such dir eine Stelle mit Wand oder Geländer im Rücken, damit niemand unbemerkt von hinten an dich herankommt, und schreib in Ruhe. So hast du den Rücken frei und den Kopf für die Nachricht.
4. Kurz scannen
Bevor du weitergehst, schau einmal nach links, rechts und hinten. Drei Sekunden genügen, um dir wieder ein Bild der Umgebung zu verschaffen, und du merkst dabei sofort, ob sich etwas verändert hat.
Kein Verzicht, nur ein Wechsel
Es geht nicht darum, das Handy zu verteufeln oder ständig misstrauisch zu sein. Es geht um den richtigen Moment: Auf dem Sofa darfst du dich voll deinem Bildschirm widmen. Unterwegs, an den kritischen Stellen, gehört deine Aufmerksamkeit für ein paar Sekunden deiner Umgebung.
Zusammen mit den letzten Folgen ergibt das eine Kette: Du weißt, was normal ist, du liest den Raum, du wählst deine Aufmerksamkeitsstufe, und du hast Augen und Ohren frei, um das alles überhaupt umzusetzen.
Quelle: Hyman, I. E., Boss, S. M., Wise, B. M., McKenzie, K. E., & Caggiano, J. M. (2010). Did you see the unicycling clown? Inattentional blindness while walking and talking on a cell phone. Applied Cognitive Psychology, 24, 597–607.
Und jetzt?
Damit haben wir uns einige Folgen lang der Wahrnehmung gewidmet. In den kommenden Wochen geht es mit weiteren Prinzipien weiter, die dein Risiko senken, bevor eine Situation überhaupt entsteht.
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Und wer das Ganze nicht nur lesen, sondern üben will — bei uns in Heidelberg, Kaiserslautern und Kirchheimbolanden verbinden wir genau diese Prinzipien mit echter Handlungsfähigkeit. Die aktuellen Termine findest du im Trainingsplan.